Um 4 Uhr fährt die letzte Bahn! Wer danach noch da ist, der bleibt!
Das ist eine goldene Regel für DJ Noname und die hat auch bislang immer gestimmt.
Das heißt für ihn er muss jetzt nochmal Gas geben, keine langweiligen RnB Runden, sondern die Partyhits der letzten Jahre.

Eminem – Without me ist ein schwieriger Song. Liegt mit 112bpm schon deutlich über den typischen HipHop Tracks aber eben auch deutlich unter den House bzw Clubsongs.
Dazu ist er recht lange und der “wichtige” Part kommt erst zum Schluss. Um das Problem zu umgehen hat sich DJ Noname Cue Points gesetzt um das Lied zu kürzen.
Hat ein bisschen mit Timing zu tun, aber in der Regel funktioniert das prächtig.
Die Menge singt: Nä nä nä nä näää, nä nä nä nä näää, nä nä nä nä nää, nä nä nä nä nääääääääää. DJ zufrieden, Crowd zufrieden, alle zufrieden.

“Hey! Warum kannst du nicht einmal was ganz ausspielen?! Das nervt! Scheiß DJ!”
“Äh wenn du Radio Versionen hören willst dann geh zur Kirmes oder mach Spotify an!”
“Dann spiels nochmal!”
“Warum sollte ich das machen? Lass mich bitte in Ruhe! Du nervst nämlich auch!”

Immer das Gleiche, denkt sich DJ Noname. Er kann nicht verstehen warum Leute in einen Club gehen und dann den DJ nerven das er nicht die Radio Edits spielt oder eben nicht 5min Sean Paul laufen lässt. Er versteht das manche Lieder ganz gespielt werden müssen, aber warum zum Teufel…naja lassen wir das. :)

Aufgrund des hohen Alkoholpegels ist die Musikauswahl recht einfach. Danza Kuduro, Hangover und Yeah3x sind Sure Shots die immer gehen. Die Leute tanzen auf den Boxen und hin und wieder bekommt DJ Noname einen Wunsch zugesteckt den er um die Uhrzeit nicht mehr spielen wird.
Die heutige Top 3: Nirvana – Come as you are, Disturbed – Down With The Sickness und KIZ – Hurra die Welt geht unter. Nicht das jedes Lied an sich ein Guter Track wäre, die Tanzbarkeit lässt schwer zu wünschen übrig und zu Rihanna passt das nun mal gar nicht. DJ Noname will den Abend eher in Richtung HipHop, Dancehall der 2000er ausklingen lassen, also bringt er nach Rihanna, Gasolina und darauf dann Punjabi MC. Den Part rundet er mit einem Augenbling Mashup ab.

Der Service fängt langsam an die Gläser im Club einzusortieren. Um diese Uhrzeit spielt sich auch auf der Tanzfläche einiges ab. Die Herren der Schöpfung versuchen die übrig gebliebenen Damen von sich zu überzeugen und führen wahre Balztänze aus. Hin und wieder verschwindet ein Päarchen oder steht wild knutschend vor dem DJ.
Ja, auch das dient der Belustigung des DJs. Jede Woche die gleichen Rituale.

Wir nähern uns der Sperrzeit und DJ Noname versucht die übrig gebliebenen Gäste nochmal mit Shake your tail feather und Get Busy zu beglücken.
“Hör mal! DJ. Jetzt warten wir schon den ganzen Abend auf Pocahontas und du spielst einfach keine Wünsche von uns.”
Da waren sie wieder, mit dem Unterschied von 4-6 Cocktails, standen die Mädels des JGA wieder vor seiner Booth und forderten vehement das er doch nun ENDLICH ihre Tracks spielen soll.
“Ich habe euch doch vorhin die 90er gespielt…wo ist das Problem?”
“Da war die Braut aber nicht da. Kannst du nochmal die Spice Girls spielen? Ist ja eh kaum mehr jemand da. Spiels nochmal!”

Sicherlich, viele waren nicht mehr da. Und die, die noch da waren hätten wahrscheinlich den Unterschied zwischen den Spice Girls und Destinys Child nicht mehr mit bekommen.

“Wisst ihr was? Ich spiele es nochmal. Ganz zum Schluss.”
“Okay super. Wann ist das?”
“20min”
“So lange?”
DJ Noname seufzte. Kleiner Finger, ganzer Arm. Immer das Gleiche.
“Ja. So lange noch.”

Er bereitet seine letzten 3 Lieder vor und stöpselt den Kopfhörer ab.
Mittlerweile geht das Licht an. Bei Sido singen nochmal alle mit und holen “Carmen da raus…”
Er schaut nach dem JGA. Keiner mehr zu sehen. Die Tanzfläche ist praktisch leer.
DJ Noname lässt das letzte Leid auslaufen. Toto – Africa.

Er packt sein Zeug ein und geht nach draussen. Die Leute nicken ihm zu oder brüllen etwas wie “Ey DJ. Mach mal Musik!” oder “Weisst du wo noch was geht?”.

Die Rest des JGA stehen draußen und versuchen gerade die Braut in ein Taxi zu bugsieren. Von den Spice Girls redet keiner mehr.

DJ Noname ist zufrieden. Alles in allem ein ganz normaler Abend im Leben eines DJs.